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Der Sport

WAS IST iQFOiL?

iQFOiL ist die olympische Windsurfklasse. Das Board liegt nicht im Wasser, sondern fliegt darüber — auf einem Hydrofoil, einem Flügel unter der Wasseroberfläche. Ich fahre diese Klasse international, und hier erkläre ich, wie sie funktioniert.

Vom Windsurfen zum Fliegen

Klassisches Windsurfen kennen die meisten: Board, Segel, Finne — das Board gleitet über das Wasser. iQFOiL beginnt gleich, der Unterschied hängt darunter. Unter dem Board steckt ein Mast, und unten daran sitzen zwei Flügel: ein grosser Frontflügel und ein kleinerer Heckflügel. Zusammen ergeben sie das Foil.

Aufbau eines iQFOiLSchaubild eines iQFOiL: Segel und Board über der Wasserlinie, darunter ein Mast mit einem grossen Frontflügel vorn und einem kleineren Heckflügel hinten. Pfeile zeigen die Fahrtrichtung nach vorn und den Auftrieb nach oben.AuftriebFahrtrichtungSegelBoardMastFrontflügelHeckflügelWasserlinie
Der Aufbau: Segel und Board über Wasser, Mast und zwei Flügel darunter.

Bei wenig Tempo bremsen die Flügel sogar leicht. Ab einer gewissen Geschwindigkeit kippt das: Sie erzeugen Auftrieb, nach demselben Prinzip wie ein Flugzeugflügel, nur im dichteren Medium. Wasser ist rund achthundertmal dichter als Luft, deshalb genügt eine Flügelfläche etwa von der Grösse eines Unterarms, um Fahrer und Material anzuheben. Das Board steigt, bis nur noch der Mast eintaucht — der grösste Teil des Wasserwiderstands fällt weg, und es wird schlagartig ruhig und schnell.

Der Heckflügel hält die Balance. Zu viel Auftrieb, und das Foil schiesst aus dem Wasser; zu wenig, und man fällt zurück. Diese Balance über Minuten zu halten, bei Wellen und drehendem Wind, ist der Teil, den man wirklich lernen muss.

Das Material

iQFOiL ist eine One-Design-Klasse: Alle fahren dasselbe Material innerhalb der Klassenregeln — gleiches Board, gleiches Foil, gleicher Mast. Der einzige Unterschied zwischen den Wettbewerben der Männer und der Frauen ist die Segelgrösse. Bei sehr wenig Wind erlaubt die Klasse zusätzlich eine klassische Finne statt des Foils. Gefahren wird also nicht immer fliegend — nur meistens. Quelle: RYA

Das klingt, als müssten dann alle gleich schnell sein. Sind sie nicht. Gleiches Material heisst nur: Niemand kann sich einen Vorteil kaufen. Was bleibt, ist die Einstellung — Foilposition, Segeltrimm, Fussschlaufen, Flughöhe. Jede davon verändert das Verhalten bei diesem Wind, dieser Welle, diesem Kurs, und was heute richtig ist, kann morgen falsch sein.

Genau das mag ich an der Klasse. Es gibt keine Ausrede über das Material. Wer schneller ist, hat besser eingestellt, besser gelesen oder besser gefahren.

Wie ein Rennen funktioniert

Ein Rennen beginnt an einer Startlinie zwischen zwei Marken. Alle starten gleichzeitig, und das Starttiming ist bereits die halbe Miete: eine Sekunde zu früh und man wird zurückgeschickt, eine Sekunde zu spät und man fährt im verwirbelten Wind der anderen.

Danach folgt ein Kurs, abgesteckt durch Bojen: Upwind gegen den Wind im Zickzack, weil man nicht direkt hineinfahren kann, und Downwind zurück, deutlich schneller. An jeder Boje wird gewendet oder gehalst. Diese Manöver entscheiden Rennen — wer dabei vom Foil fällt, verliert Sekunden, die kaum aufzuholen sind.

Aufbau einer RegattabahnKursskizze: unten die Startlinie zwischen zwei Marken, darüber die Upwind-Marke, seitlich die Downwind-Marke. Der gestrichelte Weg zeigt, wie im Zickzack gegen den Wind und danach direkter zurückgefahren wird, bis zur Ziellinie.WindUpwind-MarkeDownwind-MarkeStartlinieZielmöglicher Weg
Gegen den Wind im Zickzack, zurück direkter — bis zur Ziellinie.

Nicht jedes Rennen läuft gleich ab. Die Klasse kennt mehrere Formate, und welche gefahren werden, steht in der Ausschreibung des jeweiligen Events. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 waren es drei:

FormatDauerCharakter
Slalom4–7 Minutenalle gleichzeitig, downwind, sehr schnell
Course Racing16–23 MinutenUpwind–Downwind, taktisch
Marathon60–90 MinutenAusdauer, lange Distanz

Nach mehreren Renntagen kamen dort die besten zehn in eine Medal Series mit Viertel-, Halb- und Grossfinale. Andere Events setzen andere Schwerpunkte. Quelle: iQFOiL Class Official

Was einen schnellen Fahrer ausmacht

One Design heisst nicht, dass nur Gewicht oder Material zählen. Es heisst, dass alles andere zählt.

Start
Volle Fahrt genau im Moment des Signals, an der richtigen Stelle der Linie. Ein schlechter Start kostet mehr, als Material je bringen könnte.
Speed und Tuning
Tempo bei möglichst hohem Winkel zum Wind — und die passende Einstellung dazu. Die von heute Morgen ist am Nachmittag vielleicht falsch.
Manöver
Eine Halse, bei der das Board auf dem Foil bleibt, ist Gold wert. Eine, bei der man abfällt, kostet zehn Sekunden.
Taktik und Strategie
Strategie ist der Plan vor dem Start: welche Bahnseite, welcher Wind. Taktik ist, was davon übrig bleibt, wenn dreissig andere dasselbe wollen.
Balance, Fitness und Kopf
Korrekturen im Zehntelsekundenbereich, mehrere Läufe pro Tag, Marathondistanzen — und am Ende entscheidet, wer im letzten Lauf noch klar denkt.

Warum iQFOiL olympisch ist

World Sailing hat iQFOiL als Material für die Windsurf-Wettbewerbe der Olympischen Spiele Paris 2024 bestimmt — als Ablösung des RS:X, das über mehrere Spiele gefahren wurde. Paris 2024 war damit das olympische Debüt der Klasse. Es gibt einen Wettbewerb für Männer und einen für Frauen, mit identischem Material bis auf die Segelgrösse. Quelle: RYA

Wie die Qualifikation funktioniert, ist der Teil, den viele überraschend finden: Der Startplatz gehört nicht dem Athleten, sondern dem Land. Für Paris 2024 galt pro Nation und Wettbewerb maximal ein Startplatz. Die Plätze wurden über mehrere Wege vergeben — Weltmeisterschaft, kontinentale Ausscheidungen, eine letzte Chance-Regatta, dazu Gastgeberland und Universality-Plätze. Welcher Athlet den Platz dann tatsächlich bekommt, entscheidet der nationale Verband nach seinen eigenen Kriterien. Quelle: World Sailing

Das war der Stand für Paris 2024. Qualifikationssysteme werden für jede Ausgabe neu festgelegt. Was für die nächsten Spiele gilt, ist damit nicht automatisch dasselbe.

Mein Weg

Mit sieben stand ich das erste Mal auf einem Brett. Seither will ich am liebsten jeden Tag aufs Wasser. Angefangen habe ich bei nationalen Nachwuchsregatten, danach kamen die internationalen: erst U17, dann zwei Jahre U19, inzwischen die U23- und Senior-Kategorie. Jede Stufe bedeutet ein grösseres Feld und ein höheres Niveau — und jedes Mal fängt man gefühlt wieder unten an.

Mein langfristiges Ziel ist es, die Schweiz an den Olympischen Spielen zu vertreten. Ohne fixes Jahr. Das entscheidet sich über Resultate und über den Verband, nicht über Ankündigungen. Bis dahin geht es um jeden Trainingstag — im Sommer meist auf dem Silvaplanersee.

Wo ich aktuell stehe, steht bei den Resultaten.

iQFOiL und Wingfoil Racing

Ich fahre neben iQFOiL auch Wingfoil Racing. Gemeinsam haben die beiden das Wichtigste: ein Foil unter dem Board, ein Kurs mit Bojen, ein Start, an dem alles hängt, und dieselbe Frage — wer ist bei diesem Wind am schnellsten von A nach B?

Unterschiedlich ist der Antrieb: Beim Wingfoilen hält man einen aufblasbaren Wing frei in den Händen, statt ein Rigg mit Mast auf dem Board zu haben. Das verändert Starts, Handling und Manöver, und die Kurse sind oft enger gesteckt. Getaktet wird anders, gedacht wird gleich.

Für mein iQFOiL-Training ist das wertvoll: andere Taktiken, andere Gegner, und ich bleibe auch dann auf dem Foil, wenn die iQFOiL-Saison Pause macht. Wingfoil Racing ist keine olympische Klasse — ich fahre es, weil es mich besser macht.

Häufige Fragen

Was bedeutet iQFOiL?
Der Name der Ausrüstung, die World Sailing für die olympischen Windsurf-Wettbewerbe ausgewählt hat — keine Abkürzung. Gemeint ist das Gesamtpaket aus Board, Segel und Foil.
Warum fliegt das Board?
Weil die Flügel unter Wasser Auftrieb erzeugen, so wie ein Flugzeugflügel in der Luft. Ab genügend Geschwindigkeit reicht dieser Auftrieb, um Board und Fahrer anzuheben.
Haben wirklich alle dasselbe Material?
Ja, innerhalb der Klassenregeln. Unterschiede entstehen über Einstellung, Technik und Entscheidungen — nicht über den Einkauf.
Wie gewinnt man ein Rennen?
Mit einem guten Start, sauberem Speed, wenigen Fehlern in den Manövern und den richtigen Entscheidungen darüber, wo auf der Bahn man fährt.
Wie schnell ist iQFOiL?
Schnell genug, dass die Manöver zur eigentlichen Herausforderung werden. Eine exakte Zahl sagt wenig: Das Tempo hängt von Wind, Welle, Kurs und Fahrer ab und schwankt stark.
Ist iQFOiL olympisch?
Ja. Die Klasse hatte ihr olympisches Debüt bei den Spielen in Paris 2024 und löste dort das RS:X ab.

Wenn du mehr sehen willst

Bilder aus den Regatten der letzten Saisons liegen in der Galerie, die aktuellen Platzierungen bei den Resultaten. Wie eine Zusammenarbeit aussehen kann, steht bei der Partnerschaft.

Auf Social Media poste ich, was zwischen den Rennen passiert — Material, Anreise, Trainingsblöcke: Instagram · TikTok · YouTube

Quellen für die technischen Angaben auf dieser Seite

Quellen abgerufen am 28. August 2026. Material, Rennformate und Qualifikationssysteme der Klasse ändern sich — wer an einem Event startet, prüft deshalb immer die aktuellen Klassenregeln und die Ausschreibung.